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Eine Geburt ist kein Erste-Klasse-Flug – oder warum eine schöne Geburt gute Vorbereitung braucht

Kürzlich lernte ich eine hochschwangere junge Frau kennen. Nachdem wir uns einige Male zufällig über den Weg gelaufen waren und uns wieder mal trafen, gingen wir kurzerhand in ein Café um gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Naheliegender Weise kam das Thema auch auf ihr Baby und die in Kürze bevorstehende Geburt. Im Zuge dieses Gespräches erwähnte sie dann, dass sie keinerlei Geburtsvorbereitungskurs vorab besuchen würde, denn die in der Klinik würden das ja jeden Tag machen und wüssten schon, was sie tun…

Es fällt mir schwer, die Schwierigkeiten zu beschreiben, die ich in diesem Moment dabei hatte meine entgleisenden Gesichtszüge zu kontrollieren! Vor meinem inneren Auge blitzte ein Mitgefühl für meine Schwägerin auf, die damals wohl das gleiche Entsetzen verspürt haben muss, als wir ihr sagten, dass wir keinen Geburtsvorbereitungskurs besuchen würden… (Allerdings hört hier die Übereinstimmung auch schon auf, denn ich habe mich sehr, sehr intensiv auf die Geburt meines Babys vorbereitet!)

Die Wichtigkeit von Geburtsvorbereitung

Einerseits bringt mich meine eigene Reaktion zum Lachen… Andererseits, nämlich dann, wenn es um die 2. Hälfte des Satzes der netten jungen Frau geht, lässt es mich echt gruseln. Niemand muss aus meiner Sicht einen Kurs besuchen, um sich auf die Geburt vorzubereiten.  Es gibt viele Frauen, denen es gelingt sich ganz wunderbar selbstständig und autonom auf die Geburt vorzubereiten und ein Großteil von ihnen erlebt dann auch eine wunderschöne, (Allein-)Geburt. Und ein ganz kleiner Anteil von Frauen ist instinktiv in der Lage, sich auf die Geburt einzulassen, mitzugehen und ganz entspannt und leicht zu gebären. Aber mit meinem Wissen von heute kann ich sagen, dass für einen Großteil der Frauen ist es unendlich wichtig ist, sich auf die Geburt vorzubereiten. In welcher Form auch immer!

Eine Geburt ist kein Erste-Klasse-Flug

Eine Geburt ist kein Erste-Klasse-Flug, bei dem man vom Check-in, bis zur Gepäckübergabe von service- und kundenorientiertem Personal diskret und zuvorkommend bedient wird. Wer sich hier zurücklehnt und die anderen (nach deren Vorstellungen) machen lässt, kommt ganz schnell in ungeahnte Turbulenzen und landet am Ende an einem Ort, der nie das Ziel war. Denn hinterher wird einem oft bewusst, dass man doch ganz viel eigentlich nicht wollte. Und dann kommt die schmerzhafte Enttäuschung, doch es gibt keinen Weg zurück. Wir können die Verantwortung für die Geburt unseres Babys nicht an der Kliniktür abgeben, so wie unser Gepäck an einem Check-In Schalter. Geben wir hier die Verantwortung ab, handelt das Personal zwar nach besten Wissen und Gewissen – in Abhängigkeit von den äußeren Einflüssen – aber eben auch abhängig von den eigenen Erfahrungen, Vorstellungen und Ängsten. Eine Geburt ist nichts, was du mit dir durch andere machen lassen solltest, sondern etwas, dass du selbst machst!

Die Geburt als entscheidendes, einzigartiges Ereignis im Leben – der Vergleich zum Sportwettbewerb

Der Vergleich mit einem Sportevent hinkt an dieser Stelle zwar, doch ich möchte ihn trotzdem in den einzelnen Bestandteilen heranziehen: Keine Sportlerin würde unvorbereitet zu dem Wettbewerb ihres Lebens (was eine Geburt natürlich nicht ist, jedoch ganz sicher ein entscheidendes, einzigartiges Ereignis im Leben einer Frau) gehen. Sie bereitet sich sehr, sehr lange und intensiv darauf vor: Sie beobachtet, wie andere es tun, lernt die Bewegungsabläufe in Einzelsegmenten und verknüpft sie dann miteinander. Sie sammelt Informationen zum guten Gelingen und lässt sich von solchen, denen es gelungen ist beraten. Sie hält ihren Körper gesund, stark und vermeidet Einseitigkeiten durch ausgeglichenes Training. Aber diese körperlichen Aspekte sind nur ein Teil von dem ihr Erfolg abhängt.

Der Einfluss der Psyche auf den Erfolg

Mindestens genauso wichtig ist ihre Psyche: sie geht die Abläufe mental immer und immer wieder durch. Dabei steht der Fokus ausschließlich auf dem Gelingen und dem positiven Ergebnis ihrer Handlungen. Niemals fokussiert eine Sportlerin, wie etwas nicht gelingt, denn dann ist ein Scheitern vorprogrammiert. Die Sportlerin „sieht“ vor ihrem inneren Auge ihren Erfolg und wie es ihr gelingt diesen zu erreichen. Sie sagt sich selbst bestärkende Glaubenssätze vor. Und im entscheidenden Moment ist sie völlig konzentriert und entspannt. Wer eine Sportlerin kurz vor einer Höchstleistung beobachtet, kann diesen nach innen gekehrten, ruhigen aber gleichzeitig völlig wachen Zustand sehen.  Sie ist ganz bei sich und bewegt sich während sie ihre Leistung zeigt völlig im Flow, fast als würde sie ganz leichtfüßig tanzen. Sie denkt nicht mehr darüber nach oder sucht im außen Bestätigung. Der so vielfach -physisch wie psychisch- geübte Ablauf hat sich so automatisiert, dass er fast wie von alleine geschieht. Sie nimmt von der Umgebung kaum noch etwas wahr und beschränkt ihre starke Aufmerksamkeit ausschließlich auf sich selbst und ihren Weg. Selbst Schmerzen fühlt sie nicht. Kein Mensch hat in diesem Moment einen Einfluss auf sie. Sie tut es, wie sie es tun möchte und nicht, wie es die Organisatoren oder Sponsoren gerne hätten, wie es ihr Trainer mal getan hat oder wie es jeder einzelne Zuschauer meint zu können. Sie geht ihren ganz einzigen, erstmaligen und einzigartigen Weg, der in diesem Moment frei von jedem Einfluss ist. Sie kommt erst wieder in der Realität an –mit all den Zuschauern, Reportern etc.-, wenn sie ihre Leistung vollbracht hat.

Das Flow-Gefühl bei der Geburt

Genau dieses Flow-Gefühl, dieser konzentrierte und gleichzeitig völlig entspannte Zustand, indem wir ganz in dem aufgehen, was wir gerade tun, ist das was eine Geburt leicht und wunderschön sein lässt. Er muss dabei nicht dauerhaft oder vollkommen tief sein! Doch die Mama soll ganz auf sich konzentriert, in Verbindung mit ihrem Baby und ganz sicher und beschützt gebären können.

Der Weg zum Erfolg: Üben, üben, üben!

Und dafür braucht es Übung! Vorbereitung und viel Übung… Für eine gute Geburt gilt es zunächst einmal Verantwortung zu übernehmen. Niemand kann die Geburt deines Babys für dich machen! Jede Mama geht als erste diesen ganz einzigartigen Weg zusammen mit ihrem Geburtsgefährten. Nur sie kann (und muss) diesen Weg gehen. Es ist nicht einfach, sich das einzugestehen und diese Einsamkeit in Selbstbestimmung zu verwandeln. Du als Schwangere muss Ängste loslassen und Vertrauen in dich selbst gewinnen. Du muss daran glauben, sogar davon überzeugt sein, dass dir eine gute Geburt gelingt. Dafür musst du erst einmal wissen, was für dich selbst denn gut bedeutet.

Was es für eine gute Geburt braucht:

Eine werdende Mama braucht positive Glaubenssätze und gute Beispiele für ein Gelingen. Sie braucht Menschen in ihrem Umfeld, vielleicht sogar „Trainerinnen“ (Hebammen, Geburtsvorbereitungs-Kursleiterinnen, Doulas, etc.), die an sie glauben. Die von dem Erfolg ihres Weges überzeugt sind und sie dabei unterstützen. Sie muss sich körperlich und auch mental auf dieses besondere, großartige Lebensereignis vorbereiten und die Techniken, die ein Gelingen unterstützen immer wieder üben. Sie muss sich selbst trainieren in diesen Flow-Zustand zu kommen und zuzulassen, dass ihr Körper das tut, wozu er in der Lage ist. Sie muss diese entspannte Konzentration kennen, um sich sicher und zuversichtlich zu fühlen und im unerwarteten Situationen angemessen reagieren zu können. Haben sich die Abläufe auf der unterbewussten Ebene eingeschliffen und automatisiert kann sie sich ganz auf ihren Körper und ihr Baby verlassen, die dafür geschaffen wurden in unglaublicher Synchronizität die Geburt zu vollbringen. So kann die Geburt ein glückliches, wundervolles Lebensereignis werden.

Deswegen Geburtsvorbereitung…

Aus diesem Grund braucht (fast) jede Geburt Vorbereitung. Und deswegen ist es auch so wichtig, wie diese Vorbereitung aussieht! Wie gesagt, keine Sportlerin geht vom Worst-Case Szenario aus oder spielt durch, welche Hilfsmittel sie eventuell alle brauchen könnte, um zum Ziel zu gelangen. Sie hat eine positive, eigenverantwortliche Herangehensweise, weil sie weiß, dass nur sie selbst diesen Traum verwirklichen kann! Sie glaubt an sich und ihren Erfolg und begibt sich auf den Weg dorthin… mit aller Unterstützung, die sie braucht und die sie kriegen kann!

 

P.S.: Ich wünsche der jungen Mama aus dem Café von ganzem Herzen, dass sie im Moment der Geburt von lieben Menschen umgeben ganz bei sich ist und eine wundervolle Geburt verlebt! Und ich danke ihr für die Inspiration für diesen Beitrag…