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Eltern werden vs. Paar bleiben

Provokativ, der Titel. Ich weiß! Stelle ich doch dar, dass man entweder das eine ODER das andere ist…

Aber sind wir doch mal ehrlich:

Es ist verdammt schwer, Paar zu bleiben, wenn man Eltern geworden ist. Und man bleibt definitiv nicht das Paar, das man vorher war.

Letzte Woche ging es hier mit den Kindern richtig zur Sache. Beim Großen sollte der Mittagsschlaf gekürzt werden (andere Geschichte) und die Kleine brütete irgendetwas aus. Es war also den ganzen Tag Tohuwabohu, eine Katastrophe folgte auf die nächste und ich hetzte nur zwischen den Bedürfnissen meiner Kinder hin und her. Mein Mann half mit vollen Kräften und wenn wir die Kids dann abends irgendwann ins Bett gekämpft hatten, war entweder einer von uns miteingeschlafen oder wir waren nur noch dazu in der Lage, apathisch auf unseren Handy-Bildschirm zu starren. Die Nächte waren auch kräftezehrend und wir beide entsprechend am Anschlag. Der ganz normale Wahnsinn eben!

Ich habe mich an eine Zeit nach der Geburt unseres Sohnes zurückerinnert gefühlt.

Anspruchsvolles Kind, ich wieder arbeiten nach 10 Wochen (mit Kind), Mann mit Studium parallel zum Job etc. Damals hatten wir nach 10 Monaten eine echte Krise, in der ich zu ihm sagte „wenn das so zwischen uns ist (bzw. nicht ist), weiß ich nicht, ob ich das noch will“. Wir hatten uns als Paar verloren. Zwischen uns war kaum noch etwas von dem Zauber, der Liebe, der Zugewandtheit und der Dankbarkeit für dieses Glück, welche unsere Beziehung vorher ausgemacht haben. Jeder kämpfte einsam vor sich hin und der Partner wurde eher als Ventil, um Dampf abzulassen genutzt.

Wenn jeder Einzelne völlig erschöpft ist und gar keine Kraft übrigbleibt, wie soll dann das Gemeinsame am Leben erhalten bzw. Neues geschaffen werden?

Eltern werden verändert!

Sowohl die Beteiligten, als auch, das was zwischen ihnen besteht. Die Beziehung. Doch Veränderung braucht Arbeit. Wir müssen sie erkennen, uns damit auseinandersetzen, wie wir sie uns wünschen und dann neugestalten. So etwas kostet Kraft. Viel Kraft, die mit kleinen Kindern einfach oft in etwas anderes fließt. Und wenn alle Kraft weg ist, kämpft auch jeder erst mal für sich selbst. Wir verlieren die Nachsicht miteinander, uns fehlt Zeit für Zuwendung und Zärtlichkeit, das „Zwischen“ uns schwindet…

Doch dieses Mal will ich es nicht so weit kommen lassen.

Wir sind zum 2. Mal Eltern geworden, wir waren schonmal hier und wir haben es geschafft. Dieses Mal können wir das besser! Ich habe mit einer lieben Mit-Mama geschrieben, die genauso fühlt. Und sich darüber gerade mit einer anderen Mama ausgetauscht hatte. Alle Paare, die ich kenne haben mit dem Kinder kriegen ähnliches erlebt. Manche haben sich getrennt. Manche mit einem Nebeneinanderher-Leben arrangiert. Und manche haben wieder zueinander gefunden.

Ich denke, es ist normal, dass es uns und unsere Beziehungen durcheinander wirbelt, wenn wir Kinder kriegen. Es ist solch ein großes, lebensveränderndes Ereignis, das langfristige Folgen hat. Also müssen auch wir uns verändern, uns in die Rolle einfinden und unsere Identität neu definieren. Und wenn wir uns verändern, verändern sich unweigerlich auch unsere Beziehungen. All das braucht Bewusstsein, Reflexion und Arbeit. Und vor allem Zeit! Zeit, die wir mit kleinen Kindern nicht wirklich haben. Wie soll ich den Paar-Zeit ermöglichen, wenn ich noch nicht mal echte Zeit für mich hinkriege? Wir hatten gerade vor ein paar Monaten angefangen uns solche Zeiten zu nehmen. Nun haben wir wieder ein Baby, das gestillt wird und wir auch im ersten Jahr ungerne abgeben möchten. Außerdem sind solche Paarzeiten auch – wenn keine Familie in der unmittelbaren Nähe ist, die sich kümmern kann – echt teuer! Für 3 Stunden Babysitter und Essen gehen oder Kino sind da schnell 100€ weg. Da kostet es schon Überwindung, das zu machen und geht sicher nicht wöchentlich…

Was also tun?

Also erst einmal finde ich es wichtig, anzuerkennen, dass es normal ist! Es geht uns allen so und ist ein völlig natürlicher Prozess. Und die denen es nicht so ging, denen es mit Leichtigkeit und ohne große Veränderung gelang, die möchte ich gerne sprechen

Außerdem geht es weiter… Die erste anstrengende Zeit vergeht, wir werden wieder zu Kräften kommen und Zeitfenster sehen.

Ich habe damals einen Artikel gelesen, in dem stand, dass man seinen Partner auch für eine Zeit einfach mal doof finden darf. Die Autorin sprach von mehreren Wochen. Das hat mich völlig von den Socken gehauen, hatte ich doch eine sehr rosarote, idealistische Vorstellung von Beziehung und bis dahin war die unsere ja auch so gewesen. Ich sagte meinem Mann, dass ich ihn jetzt einfach mal ein paar Wochen doof finden darf und das hat mich ungemein entlastet:

Es muss nicht alles perfekt und schön sein… Es kann auch einfach mal so richtig kacke sein und trotzdem weiter gehen!

Aber ich möchte auch nicht empfehlen auf Dauer die Beziehung (oder Nicht-mehr-Beziehung) „auszuhalten“. Das führt unweigerlich zu einer noch größeren Entfernung und tut bestimmt nicht gut. Ich fand meinen Mann dann übrigens ziemlich schnell gar nicht mehr oder gar nicht so oft doof…

Meine Mutter sagt immer „du musst das Gold im anderen suchen“! Jaaaa… sie sagt das meistens in Momenten, in denen ich sie dafür an die Wand klatschen könnte, weil ich gerade so richtig wütend auf meinen Partner bin und „dagegen“ sein möchte. Aber, sie hat recht! (Natürlich und verdammt!)

Auf der Suche nach dem Gold im Partner

Das bedeutet, ich soll in mich gehen und darüber nachdenken „warum“ ich mit dem anderen zusammen (gekommen) bin. Was sind die tollen Seiten, die Dinge, die ich an ihm liebe und schätze? Kann ich die auch im Moment sehen oder sogar neue an ihm als Vater oder Mutter entdecken? Was hat sich verändert, was davon finde ich gut und was davon nicht?

Dann kann ich mit meinem Partner ins Gespräch kommen. Die erste Hürde, denn dafür müssen wir uns wirklich Zeit nehmen und uns aufeinander einlassen, trotz Erschöpfung und Unmut. Aber darüber hinaus ist ein Gespräch nicht sehr aufwändig: Wir können uns eine Stunde nehmen, uns an den Küchentisch oder auf die Couch mit einer Tasse Tee setzen und reden. Solche Gespräche müssen nicht lange sein, aber sie sollten regelmäßig stattfinden. Vielleicht schaffen wir es ja wirklich endlich einmal in der Woche einen regelmäßigen „Termin“ zu vereinbaren, an dem wir einfach nur sprechen. Wie geht’s dir? Was beschäftigt dich? Wo stehst du? Eine Möglichkeit einander weiterhin bzw. in der neuen Situation kennenzulernen und das Zwischen-uns wieder entstehen zu lassen. Bei uns kommt dann häufig ein „mir geht es auch so“, „das verstehe ich“ oder auch gemeinschaftliches Ächzen über die Situation zustande. Das gibt jedem von uns ein gutes Gefühl und verbindet. Auch kürzere Gespräche, spontan am Abend oder während des Mittagsschlafes tun schon gut. Doch am sinnvollsten ist es, sie zu ritualisieren und fest einzuplanen, damit sie im Familientrubel nicht doch wieder unter den Tisch fallen…

Kennt ihr den Spruch „nichts verbindet so sehr, wie ein gemeinsamer Feind“?

Ich will jetzt sicher nicht unsere Kinder als Feinde bezeichnen. Doch wenn man sich mit dem Partner mal über sie auslassen, die Augen verdrehen und Dampf ablassen darf, dann endet das meistens in verbündetem Lachen und man blickt einander an und ist irgendwie schon sehr stolz auf die verrückten kleinen Wesen, die man gemeinsam geschaffen hat. Die Verhältnisse in der Familie werden wieder ein bisschen zurechtgerückt. Wir sind das Paar und haben Kinder und nicht wir haben Kinder und sind deswegen (noch) Paar.

Es müssen nicht die großen Dinge sein!

Mit ganz kleinen Kindern ist es einfach schwierig, sich ein ganzes Abendessen oder einen Kinobesuch mit anschließenden Cocktails aus den Rippen zu schneiden. Mir wurde gestern im Gespräch mit der Freundin und meinem Mann aber klar, dass auch die kleinen Dinge zählen. Viel mehr sogar, vielleicht. Denn sie zeigen stetig ein „ich sehe dich“, „wir sind hier gemeinsam“ und „du bist mir wichtig“. Sie erhalten das „Zwischen-uns“.

So haben wir entschieden schrittweise einige Dinge (wieder) zu tun:

Zärtlichkeiten austauschen. Was kann ein Streichen, in den Arm nehmen oder ein Kuss schon bewirken. Es kostet nicht viel Zeit, nur vielleicht ein bisschen Bewusstseinsschulung, es wieder zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen.

Dinge gemeinsam tun. Und zwar die leidigen Haushaltsdinge, die sowieso gemacht werden müssen. Zusammen die Küche aufräumen, Wäsche zusammenlegen oder das Bad zu putzen. Es geht doppelt so schnell, man steht nicht alleine „in der Bütt“ und eventuell kommt man sogar in’s Gespräch oder lacht zusammen.

Uns abzusprechen. Gerade was die gemeinsame Freizeitgestaltung betrifft. Oft macht jeder abends oder am Wochenende einfach nur. Wurschtelt vor sich hin und tut, was er denkt, was getan werden muss. Dadurch geht viel Zeit verloren, weil man ja irgendwie immer beschäftigt ist und aneinander vorbei handelt. Also wollen wir uns kurz zusammensetzen und uns fragen, was getan werden muss, was jeder für sich tun will und was sich der Einzelne Gemeinsames wünscht. Wenn dann einer unten im Keller vor’m PC sitzt und der andere oben am Handy daddelt, dann haben wir das wenigstens gemeinsam entschieden und sind uns einig, dass dafür jetzt die Zeit ist. Und wenn wir es thematisieren wird vielleicht klar, dass das nur eine Verlegenheitslösung ist und wir viel lieber gemeinsam was machen würden, aber dachten, der andere hat schon was vor.

Und natürlich das gezielte oben beschriebene Gespräch. Wer da tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich wärmstens das Buch von Lukas Möller: die Wahrheit beginnt zu Zweit.

So, das Fazit also:

Paar zu bleiben, wenn man Eltern geworden ist, ist verdammt schwer. Das ist normal und geht (fast) allen Paaren so. Auch wenn man den Partner mal doof finden darf, ist es doch wichtig die Beziehung, das was zwischen uns war und sein soll, zu nähren. Dafür braucht es Arbeit. Weil wir aber mit kleinen Kindern nicht viel Zeit zum an der Beziehung arbeiten haben, müssen kleine, realistische Lösungen her. Durch diese kleinen „Beziehungsarbeiten“ kann (wieder) ein Gefühl der Gemeinsamkeit und gegenseitigen Wertschätzung entstehen: Da ist noch etwas zwischen uns und das ist schön!

Mit dieser Basis kann ich meinem Partner auch mal Nachsicht entgegenbringen oder es aushalten, wenn ich ihn gerade doof finde oder selbst vom ganz normalen, irrsinnigen Familien-Alltag einfach völlig am Ende bin.

 

 

Das Bild wurde von der wunderbaren https://www.sandraruthphotography.com/ aufgenommen.

By |2018-10-23T12:15:51+00:00Oktober 23rd, 2018|Beziehung, MamasKraft, Selbstbestimmung, StarkeMama, Stillen|0 Comments