Die perfekte Geburtsvorbereitung

Beginnt am Besten schon gut 1 Jahr vor der Geburt des Wunschkindes! Waaaas?! Geburtsvorbereitung schon 1 Jahr vorher!? Das ist lange…

Ja, denn auch die Empfängnis und Schwangerschaft können auf verschiedenen Ebenen vorbereitet werden. So kann diese gesamte Zeit im Leben einer Frau bzw. eines Paares zu einem schönen, entspannten und selbstbestimmten Prozess werden. Natürlich lassen sich Schwangerschaft, Empfängnis und Geburt nicht bis in’s kleinste Detail hinsichtlich Zeitpunkt und Verlauf planen. Doch wenn ein Paar sich dem Gedanken öffnet und es in nächster Zeit passieren darf, kann es mit der perfekten Geburtsvorbereitung schon früh die Weichen legen.

Der körperliche Aspekt

Auf körperlicher Ebene macht es für beide Elternteile Sinn, mindestens 3 Monate vor der Zeugung damit anzufangen Stress zu reduzieren, zu entgiften und Nahrungsergänzungsmittel (v.a. Folsäure) zu sich zu nehmen. Denn eine Eizelle reift 90 Tage und ein Spermium 72 heran, so dass hier bereits Einfluss auf die Gesundheit der Eltern aber auch auf die „Qualität“ des Erbmaterials genommen werden kann. Ebenso kann eine Entgiftung (v.a. Verzicht auf Zigaretten, Alkohol, Drogen etc.) und gesunde Ernährung helfen, die Schwangerschaft bestmöglich zu beginnen. Auch Sport und moderate Bewegung unterstützen eine gesunde Schwangerschaft. Umso besser man bzw. frau in die Schwangerschaft startet, umso besser sind auch die Bedingungen für einen guten Verlauf und ein gesundes Baby.

Die Paarbeziehung

Im Gespräch kann das Paar sich schon vor der Zeugung darauf einstellen, dass sich vielleicht bald ein kleines Wunder zu ihnen auf den Weg macht. Es können Dinge zwischen den Beiden geklärt werden. Sie können gemeinsam überlegen und besprechen, wie sie sich ihr Eltern-Sein ab dem Moment der Empfängnis vorstellen. Ein Baby und evtl. auch schon die Schwangerschaft verändern die Beziehung. Beide haben einen großen Einfluss auf das zukünftige Leben und Miteinander des Paares. Da ist es wertvoll, wenn man sich bezüglich mancher Dinge schon vorher einigen und dann gemeinsam los träumen kann…

Die Betreuung während Schwangerschaft und Geburt

Für die Frau ist es sinnvoll, sich spätestens jetzt eine gute Frauenärztin oder einen guten Frauenarzt zu suchen, bei der/dem sie sich mit ihren Vorstellungen von Schwangerschaft und Geburt gut aufgehoben fühlt. Die Einstellung der Ärztin/des Arztes und der Aufbau einer Vertrauensbasis kann in einem normalen Vorsorge-Termin mit „Beratungs-Gespräch“ zu einer möglichen Schwangerschaft gut geprüft werden. Genauso wichtig, ist es, eventuell schon mal eine Liste von infrage kommenden Hebammen zu erstellen. Es ist unendlich wertvoll eine gute Hebamme zur Begleitung (Vorsorge, Geburt, Nachsorge) zu haben. Umso früher man sich darum kümmert, umso besser die Chancen am Schluss nicht ohne Hebammenbetreuung da zu stehen. Über https://www.hebammensuche.de/ kann man bundesweit nach Hebammen mit ihren entsprechenden Fachgebieten suchen. Viele haben auch eine Homepage, so dass man sich einen ersten Eindruck gewinnen kann. Es lohnt sich, dann nicht bis zu einer bestimmten Schwangerschaftswoche zu warten, sondern schon ziemlich bald nach dem positiven Test die Traum-Hebamme zu kontaktieren. Auch wenn die Schwangerschaft nicht gleich bestehen bleiben sollte, können Hebammen sowohl von medizinischer als auch psychologischer Seite den Verlust liebevoll und sehr kompetent begleiten.

Unterschiedliche Möglichkeiten der Vorsorge und Begleitung

Die zukünftige Mama sollte sich überlegen, wie sie in der Schwangerschaft und während der Geburt von dem medizinischen Fachpersonal betreut werden möchte. Es gibt verschiedene Modelle der Vorsorge und Geburtsbegleitung, die unterschiedliche Vorteile bieten. Auch wenn wir in Deutschland schnell in ein sehr standardisiertes medizinisches Kontroll-System mit monatlichen (später 2-wöchigen) Arzt-Untersuchungen rutschen, ist dies keineswegs Pflicht. Es gibt auch großartige andere Möglichkeiten. Hebammen sind genauso qualifiziert – bis auf Ultraschall – alle Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft vorzunehmen. Somit ist die Spanne von einer Schwangerschaftsbegleitung nur durch die Hebamme bis hin zur ausschließlich ärztlichen Vorsorge sehr breit. Jede Frau kann sie individuell gestalten.

Es ist die freie Wahl der Mutter, in welcher Form und in welchem Umfang sie sich betreuen lässt. Sie hat das Recht, sich für oder gegen Untersuchungen zu entscheiden. Es gibt keine Pflicht für die Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland. An vielen Stellen sollte der Sinn der Untersuchung hinterfragt und ggf. das Pro und Contra erörtert werden. Die deutschen Vorsorge- und Geburtspraktiken weichen teilweise deutlich von denen anderer Länder und auch der Empfehlung der WHO für gesunde Schwangere ab (https://www.hebammen-bw.de/who-empfehlungen-fuer-gute-geburt/). Eine bewusste, differenzierte Auseinandersetzung damit empfiehlt sich.

Zusätzlich zum medizinischen Fachpersonal wird zunehmend eine Doula-Begleitung während Schwangerschaft, Geburt und ggf. auch Wochenbett sehr geschätzt. Eine Doula ist eine professionelle Geburtsbegleiterin. Sie hat keinerlei medizinische Funktion, sondern einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz für eine gute Schwangerschaft und Geburt. Damit sorgt sie für das Wohlbefinden von Mutter, Kind und Vater. Sie kann ergänzend sehr wertvoll die Wünsche der werdenden Mama unterstützen und ihr in dieser besonderen Situation liebevoll und fachlich kompetent zur Seite stehen.

Körperliche Geburtsvorbereitung

Hat sich nun ein kleines Wesen eingenistet, ist die Schwangerschaft eine Zeit, in der die Mama ganz besonders auf sich achten und sie genießen darf. Auf körperlicher Ebene bedeutet dies weiterhin die gute Ernährung, eventuell nach individuellem Bedarf die Nahrungsergänzung. Außerdem der Umgang mit Schwangerschaftsbeschwerden, falls welche auftauchen und die Fürsorge für den Körper als Ursprung neuen Lebens. Bewegung sollte einen Anteil der Geburtsvorbereitung ausmachen, denn dadurch wird die Geburt leichter, schneller und schmerzärmer. Schwangerschaftsyoga, Schwimmen und gezielte Mama-Sportprogramme können sowohl das Wohlbefinden in der Schwangerschaft als auch die Vorbereitung des Körpers auf die Geburt unterstützen. Der Körper verändert sich während einer Schwangerschaft und optimiert sich für Geburt und die Stillzeit. Die meisten Körperstrukturen werden weicher und dehnen sich aus. Darauf sollte Rücksicht genommen und mit entsprechendem Bewusstsein trainiert werden. Geburt ist auch eine körperliche Leistung . Gezielte Übungen und Dehnungen können der Mama Linderung bei schwangerschaftsbedingten Beschwerden bringen und für die Geburt erleichternd zugutekommen.

Mentale Geburtsvorbereitung

Auf mentaler Ebene kann auch schon frühzeitig mit der Geburtsvorbereitung begonnen werden. Umso früher die Mama weiß, wie sie die Geburt erleben möchte, umso mehr Zeit bleibt ihr, sich zu informieren, Techniken zu üben und sich mit Menschen (privat und auch Fachpersonal) zu umgeben, die diese Wünsche unterstützen. Sie kann in Ruhe auf mentaler und körperlicher Ebene den Weg bereiten, um genau diese Geburt zu ermöglichen. Außerdem kann sie verschiedene Geburtsorte besichtigen und Fragen an das jeweilige Personal stellen. Somit gewinnt sie einen Eindruck von deren Einstellung und Arbeitsweise. Durch diesen Prozess findet sie heraus, wer und was am besten zu ihr und ihrer Vorstellung einer guten Geburt passt. Dann kann sie auch den für sich perfekten Geburtsvorbereitungskurs auswählen, der ihre Fragen beantwortet und ihr die entsprechenden Techniken für die Geburt bietet.

Leitende Fragen bei der Geburtsvorbereitung

Bei der Auswahl des Geburtsvorbereitungskurses bzw. in der Geburtsvorbereitung selbst, ist es sinnvoll, sich bestimmte Fragen zu stellen. Diese können beispielsweise lauten:

Wo fühle ich mich in der besonderen Situation der Geburt wohl und sicher? Welche Umgebung wünsche ich mir?

Was brauche ich, um zu vertrauen (mir und den begleitenden Menschen)?

Welche Ängste habe ich und wie kann ich diese bearbeiten?

Wie kann ich mich am besten (auch in besonderen Situationen) entspannen?

Was hilft mir, um Wohlbefinden zu erzeugen (von außen, aber auch von innen)?

Was ist mir wichtig und wie kann ich dafür kommunizieren, damit meine Wünsche umgesetzt werden?

Wie gehe ich damit um, wenn etwas anders läuft als geplant? Was kann ich vorab und in dem Moment tun, um mich damit wohl zu fühlen?

All diese Fragen sollten in einem guten Geburtsvorbereitungskurs thematisiert und/oder gemeinsam mit der Hebamme beantwortet werden. Dann hat die Mama ihren ganz individuellen Vorbereitungsplan für die Geburt. Sie weiß, was sie braucht, um die optimalen Bedingungen herzustellen und hat somit ein Gefühl der Selbstbestimmung und der Sicherheit. Aus den Fragen ergeben sich auch bestimmte Entspannungs- und Wohlfühltechniken. Diese helfen der werdenden Mama in den intuitiven, fokussierten und tiefenentspannten Zustand zu kommen, den es für eine gute Geburt braucht. Der sogenannte Flow!

Wahl und Gestaltungsmöglichkeiten des Geburtsortes

Während sich die eine Frau zuhause in ihrer gewohnten Umgebung mit bekannten Personen umgeben am sichersten fühlt, kann eine andere viel besser im Krankenhaus mit dem Wissen um das medizinische Fachpersonal entbinden. Oder ihr gefällt die Vorstellung eines Geburtshauses besonders gut. Wichtig hierbei ist auch die Frage nach dem Wohlfühlen und dabei alle Sinne miteinzubeziehen. Dies hat einen gravierenden Einfluss in der Geburtsvorbereitung. Der sterile Krankenhausduft ist nicht jederfraus Sache, aber da kann man z.B. mit Duftölen, einem Riechtuch oder -säckchen nachhelfen. Genauso können Beleuchtung (Lichter aus; LED-Kerzen oder Salzlampen), Geräusche (eigene Musik oder Meditationen) und Einrichtung (eigene Kuscheldecke, Kissen etc.) beeinflusst werden. Die Eltern können darum bitten, alleine zu sein. Oder eben jemanden an ihrer Seite zu haben. Somit kann schon alleine von außen auf verschiedenen Ebenen vieles auf die werdende Mama während der Geburt positiv wirken und zu ihrem Wohlbefinden beitragen.

Wohlbefinden während der Geburt erzeugen

Direktes (körperliches und seelisches Wohlbefinden lässt sich durch viele Methoden erzeugen. So kann die Gebärende zum Beispiel durch Bewegung, Berührung, Atmung (verschiedene Techniken, siehe auch hier: http://leoniejoos.com/blog/post/atemtechniken-fuer-die-geburt/) gut entspannen. Aber auch Wärme oder Kälte können sehr angenehm sein. Mentale und körperliche Entspannungstechniken, wie Meditation, Hypnose, progressive Muskelentspannung etc. zeigen eine sehr gute Wirkung. Worte, Gesten und Blicke können die Ausschüttung der „richtigen“ Hormone für die Geburt unterstützen. Deswegen ist eine liebevolle, aufmerksame und zugewandte Begleitung durch den Partner und die anderen GeburtsbegleiterInnen so wertvoll. Außerdem helfen schöne Erinnerungen und sensuelle Erlebnisse. Unabhängig vom Ort können sich die Eltern also vorbereiten, der Frau während der Geburt auf allen (Sinnes-)Ebenen Gutes zu tun und die Ausschüttung der geburtsförderlichen Hormone durch Wohlbefinden und Entspannungstechniken zu unterstützen.

Zusammenfassung

Eine gute Planung und Geburtsvorbereitung hat einen großen Einfluss darauf, wie selbstbestimmt und schön die Geburt als Krönung der Schwangerschaft abläuft. Natürlich kann nicht alles vorab im kleinsten Detail geplant werden. Fast immer kommt es ein bisschen anders als gedacht. Doch umso besser die Vorbereitung und Planung, umso leichter fällt es der Mama im entscheidenden Moment, sich zu entspannen ganz auf die Geburt einzulassen.

Es gibt 2 Zitate, die helfen können, die perfekte Geburtssituation vor zu bereiten:

„Ein Baby kommt so raus, wie es hinein gekommen ist.“

Und zwar mit den gleichen Hormonen und der gleichen Stimmung. D.h. die Umgebungsbedingungen sollten ähnlich (romantisch), wie bei der Zeugung sein. Auch hier hilft es, sich Gedanken zu machen, was einem hilft, absolutes Wohlbefinden, vielleicht sogar Lust (Gänsehaut, Erregung, Glücksgefühle) zu empfinden. Da darf man ruhig kreativ sein und von den ausgetretenen Geburts-Entspannungspfaden abweichen…

„Geburt ist ein sexueller Akt des Zusammenziehens und des Sich-Weitens, wie bei einem Orgasmus.“

Wenn die Frau sich auf den Rhythmus ihres Körpers einlässt und einerseits die Kontraktionen während der Wellen zulässt und sich andererseits in der restlichen Zeit darauf konzentriert, weit zu werden, los zu lassen und zu entspannen, dann sind von ihrer Seite die bestmöglichen Bedingungen für eine angenehme und sanfte Geburt gegeben. Wir Frauen sind dafür geschaffen unsere Babys sanft und sicher auf diese Welt zu bringen. Wir müssen nur loslassen und unserem Körper und dem Baby vertrauen, dass sie ganz genau wissen, wie Geburt geht.

Eine Frau kann also vor uns während der Schwangerschaft unglaublich viel tun, um eine schöne, selbstbestimmte Geburt vorzubereiten. Und das lohnt, denn es ist ein einzigartiges, wunderbares Erlebnis!

Mit der Geburt schließt sich dann der Kreis, der mit der Einladung des Kindes in die Familie vor (über) einem Jahr begonnen hat…

 

Wobei das Wochenbett auch seine Besonderheiten hat und geplant werden sollte…;-P

(Blogpost dazu folgt!)