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Die Magie des Oxytocin – oder warum Mamas ein Dorf brauchen

In der Vergangenheit geschah das Bekommen und Aufziehen von Kindern eingebettet in den Schutz und die Unterstützung einer Großfamilie. Die Mutter wurde in Schwangerschaft, Stillzeit und Geburt von den anderen Frauen des Dorfes begleitet und während des Wochenbettes versorgt. Sie konnte sich ganz auf ihr Neugeborenes konzentrieren und mit dem Beistand und dem Vorbild der anderen Frauen in ihre neue Rolle finden. Kinder-Großziehen war Gemeinschaftssache, alle kümmerten sich um die Kinder. Das entlastete die einzelne Mama, gab ihr Sicherheit und half ihr die anstrengenden Momente zu überstehen. Heutzutage hat sich die Situation für junge Familien verändert. Sie finden sich oft außerhalb ihres „Dorfes“, weg von Familie und mit wenig sozialer Hilfe. Mamas müssen schnell wieder „funktionieren“, sind hohen inneren und gesellschaftlichen Ansprüchen ausgesetzt. Erholung und Ruhezeiten werden  wenig geschätzt. Es gilt, möglichst schnell wieder auf den Beinen zu sein und alle Aufgaben zu erfüllen. Die Zeit im Wochenbett braucht jedoch im Idealfall ein tragendes soziales Netz, also ein Dorf, um der Mama und dem neuen Erdenbürgerchen den Weg in das „neue“ Leben glücklich und gelungen zu gestalten!

Das magische Hormon

Im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit spielt das Hormon Oxytocin DIE zentrale Rolle. Die Bezeichnung Bindungs oder Kuschelhormon wird ihm da bei Weitem nicht gerecht, sondern ist nur eine Funktion dieses Zauberstoffes. Ja, es mach glücklich und fördert die Bindung zum Baby. Und ja, es wird automatisch während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit ausgeschüttet. Doch in welcher Menge, Dauer und mit welcher Wirkung unterscheidet sich stark voneinander. Und das ist der wichtige Punkt: Denn werdende und frischgebackene Mamas brauchen einen beständigen Oxytocinspiegel, der es ihnen einerseits ermöglicht glücklich zu sein und ihr Baby zu lieben. Andererseits hilft es aber, ihren Körper bei der Geburt, dem Stillen und der Rückbildung zu unterstützen.

Was Oxytocin alles kann:  

Der Begriff Oxytocin stammt aus dem Griechischen, wobei okys tokos – schnelle Geburt bedeutet. Der Geburtserleichternde und –beschleunigende Effekt ist damit klar. Darüber hinaus erzeugt das Hormon aber auch Glücks- und Sicherheitsgefühle. Es hat eine positive Wirkung bezüglich Bindung, Fürsorge und Vertrauen in menschlichen Beziehungen, insbesondere zwischen Mutter und Kind. Außerdem weckt es den Schutzinstinkt für die eigene Familie und kann eine Abgrenzung nach außen bewirken. Auf der körperlichen Seite, sorgt es für Entspannung, sowie wirksame Kontraktionen der Gebärmutter während Geburt und in der Rückbildung. Es löst den Milchspendereflex aus, fördert die Milchbildung und kann Schmerzen hemmen.

Oxytocin hat also eine vielfältige positive Wirkung auf den Körper und die Emotionen einer Mutter und unterstützt sie dabei, ihr Kind gut versorgen zu können und dabei selbst glücklich zu sein!

Hat eine Frau zu wenig Oxytocin kann dies bedeuten, dass sie mehr Schwierigkeiten bei der Geburt hat, sowie das Stillen und die Rückbildung nicht gut funktionieren. Darüber hinaus kann sie an Depressionen und Bindungsschwierigkeiten bis hin zur Posttraumatischen Belastungsstörung leiden.

Ein Mangel an Oxytocin kann demnach sowohl die körperliche und seelische Gesundheit von Mutter und Kind gefährden und die Bindung in dieser besonders vulnerablen Zeit nach der Geburt empfindlich stören. 

Es gibt einige Faktoren, die die Bildung von Oxytocin behindern und somit einen starken Einfluss auf die Mutter haben können: Alles, was der Mutter Stress verursacht, wie Sorgen, Ängste oder auch Schmerzen hemmt die Oxytocinausschüttung. Ebenfalls hinderlich wirken rationales Denken und äußerliche Verpflichtungen, die sie weg holen vom instinktiven, emotionsgesteuerten Unterbewusstsein und ihrer Intuition. Leider sind es genau diese Dinge, mit denen eine werdende oder frischgebackene Mama häufig zu kämpfen hat. Geburt und Wochenbett sind geprägt von Unsicherheiten, Ängsten, neuen Herausforderungen und großer körperlicher Anstrengung, wie Schlafmangel, Schmerzen beim Stillen usw. Und das sind alleine die internen Anforderungen, denen sich eine Mama stellen muss. Genauso belastend können Erwartungen aus dem Umfeld sein, z.B. wenn Familie, Freunde und Bekannte eigene Vorstellungen miteinbringen, Mama und Baby schnellstmöglich besuchen wollen und gutgemeinte Ratschläge verteilen. Oder das gesellschaftliche Ideal von einer „funktionierenden“ Mama, die all ihre Aufgaben erfüllt und schnellstmöglich zur „Normalität zurück kehrt. Mama-Werden geschieht nicht plötzlich mit der Geburt oder über Nacht, es braucht Zeit. Viel ruhige, geschützte, entspannte Zeit!

Es gibt jedoch viele Möglichkeiten die Ausschüttung von Oxytocin zu fördern!

Einfach gesagt, hilft alles, was die Mama glücklich macht und ihr die notwendige Ruhe für die zauberhafte Zeit im Wochenbett mit ihrem Baby verschafft. D.h. es sollten alle „Aufgaben“, wie Waschen, Putzen, Kochen etc. für 6 Wochen wegfallen. Am Schönsten ist es natürlich, wenn der frischgebackene Papa diese Aufgaben übernehmen kann. Doch noch schöner ist es, wenn auch er ein bisschen Freiraum für Mama, Baby und ggf. ältere Geschwisterkinder hat. Und da kommt das Dorf in’s  Spiel! Mit dem „Dorf“ meine ich (außer dem Partner) Familie, Freunde und Bekannte. Das Dorf sind all die Menschen im sozialen Umfeld der Mama, die sie gerne unterstützen und der jungen Familie helfen möchten. Geschieht diese Hilfe uneigennützig und selbstlos, ist sie das wertvollste Geschenk, das sich eine Mama mit Neugeborenem wünschen kann.

Eine frischgebackene Mama braucht Liebe, Liebe, Liebe!

Konkret bedeutet dies für das Dorf (und jeden Einzelnen darin):

  1. Am besten schon VOR der Geburt klären, was die Mama sich wünscht. Das Wochenbett beginnt mit der Geburt und ab diesem Moment sollte die Mama (und der Papa) nicht mehr denken, planen oder Fragen beantworten müssen. All die Planung für das Wochenbett sollte vorab geschehen und oft fragt das Umfeld ja schon nach Geburtswünschen. Und eine wohlige Anfangszeit, in der die Familie sich uneingeschränkt genießen und kennenlernen kann ist mehr wert als jeder Strampler oder das 143ste Kuscheltier!
  2. Geschenke, die ein geschütztes, wohlversorgtes und glückliches Wochenbett unterstützen, wie eine Putzhilfe oder Haushaltshilfe (auf Zeit) oder ein Wäscheservice mit Abholung und Rücklieferung können da unendlich wertvoll sein. Diese Dienste sollten allerdings tatsächlich von professionellem „Personal“ eingekauft werden, denn wer möchte schon, dass die Schwiegermutter die Unterhosen wäscht oder der Arbeitskollege zum Bad wischen vorbei kommt?
  3. Aber alles, was mit der Versorgung mit nahrhaften, gesunden Mahlzeiten für die Familie zu tun hat, kann auch oder gerade von nahestehenden Menschen übernommen werden: Einkaufsservice oder etwas Vorgekochtes zum einfach Aufwärmen vorbei bringen zum Beispiel. Im Idealfall geschieht die Übergabe sogar nicht persönlich, sondern es wird einfach (zu einer vorab vereinbarten Zeit) vor die Tür gestellt, so dass die Mama nicht ordentlich aussehend eine Tasse Kaffee anbieten, ihr Baby an den Besuch abgeben und berichten muss, wie es so läuft. Besuch ist in der Zeit sowieso mit Vorsicht zu genießen, denn er holt die Familie (fast) immer aus ihrer kuscheligen, intimen Kennenlern-Zeit heraus. Eltern haben das Recht ihr Neugeborenes in dieser Zeit NUR für sich zu haben, um es kennen und lieben zu lernen und sich sanft in den Familienrhythmus einzuschwingen.
  4. Geschenke, die das Wohlbefinden der Mama fördern, begünstigen ebenfalls die Ausschüttung von Oxytocin. Auf der körperlichen Seite können dies Massagen sein, die bei der Mama zuhause in ihrer Wohlfühlumgebung und –position und in der Nähe ihres Babies ohne Zeitdruck gegeben werden. Feine Öle zur Selbstmassage regen das Wohlbefinden an. Vor allem Rose und Lavendel entspannen und machen glücklich. Wohlfühltees (Achtung: Stillfreundlichkeit beachten), Lieblingsschokolade und Blumen bringen Freude. Auf der seelischen Seite können auch liebe Worte auf schönen Karten, Bestärkungen und Komplimente der Mama (und dem Papa) Sicherheit und ein Gefühl der Wertschätzung geben.
  5. Ebenso wertvoll kann Zeit in Form von anderen unterstützenden, liebevollen Handlungen, wie Betreuung älterer Geschwister sein. z.B. in dem ältere Geschwister in Kindergarten oder Schule bzw. wieder von dort nach Hause gebracht werden. Oder besondere Events für die Großen, in denen sie besonders tolle Dinge erleben und an erster Stelle stehen. Gassi-Runden mit dem Familienhund, der an der Haustür nur schnell übergeben wird… Ein Fahrdienst für die Mama zu (Arzt-)Terminen mit ggf. Begleitung und Babyhalten, wenn sie das wünscht. Oder später eine Zeit der Babybetreuung, damit die Mama mal in Ruhe duschen oder paar Stunden schlafen kann…

Das Wochenbett heißt nicht umsonst so und Mamas bzw. die ganze Familie sollten in dieser Zeit einfach nichts müssen!

Vor allem die Mama hat als einzige Aufgaben das Kind lieben und versorgen zu lernen. Und dafür bedarf sie dieser geschützten von Liebe getragenen Zeit! Vor allem heutzutage, wo die Dörfer zerstreut und wir alle in der Welt der Erwartungen und des Denkens beschäftigt sind, ist es wichtig, dass wir uns darauf besinnen und diese lebensprägende Zeit (für Mama, Baby und die Familie) als „Dorf“ tragen…