Atemtechniken für die Geburt

Atem ist Leben. Über die Atmung gelangt Sauerstoff in unsere Lunge, der dann über den Blutkreislauf zu den entsprechenden Stellen im Körper transportiert wird. Durch diesen Sauerstoff wird die Versorgung und Funktion unseres Kreislaufes, unserer Muskeln, Organe und unseres Gehirns sichergestellt. Wird diese Sauerstoffzufuhr weniger, geraten unsere Zellen in eine Notsituation und können ihre Aufgabe im Körpersystem nicht mehr leisten erfüllen. Abhängig von der Stelle, an der Sauerstoff fehlt, zeigen sich verschieden Symptome, wie Schmerz, Sensibilitätsstörungen, Übelkeit, Schwindel etc.

Die Wirkung einer guten Atmung:

Eine gute Atmung bedeutet, dass genug Sauerstoff aufgenommen wird, um alle Körpersysteme mit der notwendigen Energie zu versorgen (Einatmung). Andererseits bedeutet es, dass Kohlendioxid abtransportiert werden kann (Ausatmung). Darüber hinaus hat eine gute Atmung viele Effekte: Sie beruhigt den Sympatikus (verantwortlich für den Stresszustand im Körper) und unterstützt somit die parasympathische Entspannung. Das bedeutet, dass sich der Herzschlag verlangsamt und der Blutdruck senkt. Das Verdauungssystem und die Muskulatur werden gut mit Blut versorgt und können optimal arbeiten. Alle Gefäße im Körper werden weit gestellt, so dass die Zellversorgung gewährleistet und das Immunsystem aktiv ist. Verspannungen und Schmerzen nehmen ab. Das Gehirn kann bestmöglich arbeiten und auch auf psycho-emotionaler Ebene beruhigen wir uns.

Eine gute Atmung ist mitentscheidend für den Geburtsverlauf!

Atmung spielt auch unter der Geburt eine zentrale Rolle, da sie dafür sorgt, dass Mama und Kind bestmöglich mit Sauerstoff versorgt sind und die gesamte Muskulatur, die für die Geburt arbeitet, entspannt bleibt. Der Sauerstoff sorgt dafür, dass die Gebärmutter effektiv arbeiten kann. D.h. sie zieht sich zusammen und entspannt sich wieder. Einerseits um den Muttermund zu öffnen und den Geburtsweg für das Baby frei zu geben. Andererseits hilft sie, das Baby hinunter und damit hinaus zu schieben. Wie alle anderen Funktionen im Körper ist das eine rhythmische Arbeit, die durch Anspannung und Entspannung funktioniert. Die Kraft, welche die Gebärmutter für das Zusammenziehen braucht, sammelt sie im Moment der Entspannung durch die Aufnahme von Sauerstoff. Darüber hinaus wird durch diesen Sauerstoff die Plazenta und im weiteren das Baby über die Nabelschnur versorgt. So dass seine Zellen und Körpersysteme gut arbeiten und die Geburt bewältigen können. Diese Sauerstoffversorgung ist also lebensnotwenig und vor allem unter der Geburt – für die Geburtsarbeit – unabdingbar. Deswegen ist es so wichtig, dass die Mama während der Geburt immer gut weiter atmet.

Was geschieht, wenn über die Atmung nicht genug Sauerstoff aufgenommen wird?

Gelingt es der Mama unter der Geburt aus verschiedensten Gründen (häufig Angst) nicht mehr, ruhig, gleichmäßig und tief genug zu atmen, verschlechtert sich ihre Sauerstoffzufuhr. Davon sind dann auch Gebärmutter und Baby betroffen. Schlimmer noch, gerät sie in Panik, sorgt der Körper dafür, dass zunächst die überlebenswichtigen Systeme mit dem Maximum an Sauerstoff versorgt werden. Alles, was sie in der Notfallsituation (oder auch Kampf, Flucht oder Erstarren) braucht, d.h. insbesondere die Extremitätenmuskeln aber natürlich auch das Gehirn, wird mit dem zur Verfügung stehenden Sauerstoff versorgt. Nicht lebensnotwendige Körperbereiche, wie eben die Gebärmutter und leider auch das darin wohnende Baby, stehen dann hinten an. Das bedeutet, dass die Gebärmutter ihre Arbeit nicht mehr leisten kann, sondern entweder erschlafft und mit den Kontraktionen aufhört. Oder sie verkrampft (schmerzhaft) und löst sich nicht mehr, um neuen Sauerstoff aufnehmen zu können. In beide Fällen kann die Geburt nicht weiter voran gehen. Außerdem kann die Versorgung des Babys schlechter werden, es kommt zu (fetalem) Stress, was sich dann häufig durch die Herztöne des Kleinen zeigt.

Wie geht das richtige Atmen?

Es gibt verschiedene Atemtechniken, welche die Sauerstoffversorgung während einer Geburt unterstützen können. Wichtig ist vor allem, DASS die Mama atmet und das am besten gleichmäßig, ruhig und auch in einer gewissen Tiefe!

Wird die Atmung oberflächlich, schnell und kurz (Hyperventilation), kann die Lunge kaum Sauerstoff aufnehmen. D.h. eine gewisse Atmentiefe ist notwendig. Hilfreich ist es, sich dabei auf die Ausatmung zu konzentrieren. Also, möglichst viel Luft lange und langsam auszuatmen. Die Einatmung erfolgt dann automatisch (reflektorisch) und hat auch die notwendige Tiefe. Vielen Frauen hilft es, das über „Tönen“ zu machen, weil dann eine Hilfe gegeben ist, wo und wie der Atem fließen kann. In der Vorbereitung einer Geburt gehören IMMER auch Atemtechniken dazu. Diese sollte die Mama im Vorfeld möglichst häufig üben, damit sie dann während der Geburt automatisch darauf zurückgreifen kann. Die richtige Atmung soll sich eingeprägt haben, so dass der Körper instinktiv anwendet. Darüber nachdenken zu müssen ist eher kontraproduktiv, da die Mama ganz entspannt und intuitiv auf sich fokussiert sein soll.

Hypnobirthing-Atemtechniken für die Geburt

Im HypnoBirthing gibt es 3 Atemtechniken. Diese sorgen zunächst einmal auf körperlicher Ebene für eine gute Versorgung mit Sauerstoff für Mama und Baby. Darüber hinaus unterstützen sie den tiefen, konzentrierten Entspannungszustand, in dem die Mama ganz bei sich ist und ihrer Intuition bei der Geburt folgen kann. Während alle Atemtechniken dies zum Ziel haben, so gibt es doch auch jeweils einen besonderen Fokus bei den verschiedenen Atmungen: Die Ruheatmung dient der Einleitung der Entspannung und der Erholung zwischen den einzelnen Wellen. Währenddessen unterstützt die Wellenatmung die Gebärmutter in ihrer Arbeit und trägt die Mutter über die Welle hinweg. Mit der Geburtsatmung schließlich schiebt die Mama mithilfe der Atemmuskulatur ihr Baby sanft durch den Geburtsweg und bringt es – ohne Druck aufzubauen – sanft auf die Welt.

Ruheatmung

Zur Ruheatmung nimmt die Mama eine bequeme Position ein. Sie legt ihre Zunge sanft an den Gaumen und entspannt die gesamte Kiefer und Stirnmuskulatur. Diese Entspannung breitet sie dann gedanklich im ganzen Körper aus. Anschließend lenkt sie ihre Aufmerksamkeit auf ihre Atmung. Sie atmet durch die Nase und zählt mit der Einatmung in Gedanken mit. Auch die Ausatmung strömt sanft durch die Nase aus. Hier versucht sie, den Atem so zu lenken, dass sie doppelt so lange aus- wie einatmet. Die Zeiten verlängern sich mit mehr Übung, sinnvoll ist, von 1-4 (Einatmung) bzw. 1-8 (Ausatmung) zählend zu beginnen.

Wellenatmung

Die Wellenatmung bedarf etwas mehr Übung und Konzentration, da es sich um ein sehr langes und in den Unterleib gelenktes Atmen handelt. Dabei hilft die Vorstellung, der Bauch (oder die Gebärmutter) seien ein Ballon, den es durch die Atemluft gleichmäßig ganz (!!!) zu füllen gilt. Wie bei der Ruheatmung wird eine bequeme Position eingenommen und die Gesichtsmuskulatur bewusst entspannt. Auch hier strömen sowohl Ein- als auch Ausatmung sanft durch die Nase. Allerding zählt die Mutter bei der Einatmung nun schnell bis ca. 20 mit, versucht den Bauch dabei mit viel Luft zu füllen und lässt dann die Luft langsam auf die gleiche Zahl wieder entweichen. Es kann auch helfen, die Ausatmung tönend langsam durch den Mund entweichen zu lassen, um Kraft abzugeben. Oder mit einer niedrigeren Zahl zu beginnen und sich langsam zu höheren Zahlen zu trainieren. So, als wollte man es schaffen, eine Pusteblume mit einem einzigen Ausatmen langsam und ruhig vollständig leer zu pusten. Zunächst fällt es vielleicht schwer, diese lange Atmung durchzuführen. Doch mit zunehmender Übung gelingt es gut und erleichtert der Mama sehr die Geburtsarbeit während den Wellen.

Geburtsatmung

Diese Atemtechnik erscheint vielen zunächst als sehr schwierig und sie kann auch nur begrenzt geübt werden. Der Gedanke dahinter ist, dass ein langer Atemstrom der Mama entlang der Wirbelsäule und dann nach vorne in Richtung Geburtsausgang das Baby herausgleiten lässt. Die natürlichen Reflexe des Körpers zeigen der Mama wohin sie ihre Ausatmung schieben muss. Ohne dabei Druck aufzubauen, den Atem zu stoppen oder zu pressen. Die Ausgangsentspannung sollte dieselbe, wie bei den obigen Atemtechniken sein. Auch die Einatmung gleicht sich, geschieht langsam und ruhig.

Nur wird jetzt – mit dem Beginn der Geburtswelle – die Atmung innen im Körper nach unten und vorne (J-förmig) gelenkt. Diese Atmung lässt sich sehr gut mit Tönen verbinden, ob das ein tiefes Grollen, ein Röhren oder eher ein lang gezogener Karate-Schrei ist. Alles, was die Kraft nach unten lenkt und die Geburtsarbeit von Mama und Baby unterstützt ist gut! Unter der Geburt zeigt der Körper sehr genau in welche Richtung der Atem zu lenken ist. Die Mama greift ganz instinktiv auf die Technik, die ihrem Baby den Weg auf diese Welt zeigt.

Die Übungssituation, die sich dafür am besten eignet, ist der Toilettenbesuch. Auch hier muss etwas (mehr oder weniger) Großes durch eine Körperöffnung hinaus. Diese ist genau dafür gemacht und am leichtesten fällt es, wenn in dem Bereich Entspannung vorherrscht. Auch hier kann man – gerade wenn’s mal schwierig ist – gut durch die Geburtsatmung den sanften Weg nach draußen unterstützen. Oder eben für die Geburt üben

 

Dies waren nun einige Beispiele, wie eine gute Atmung die Geburt unterstützen kann. Es gibt viele hilfreiche Atemtechniken für die unterschiedlichen Geburtsmomente. Diese werden in Geburtsvorbereitungskursen, Büchern, Video’s, aber auch während der Geburt durch die begleitende Hebamme gezeigt.

Am wichtigsten ist: Immer, immer weiteratmen!!!